Midori Hirano – Otonoma

Midori Hirano – Otonoma

Midori Hirano gehört zu jenen leisen, aber konsequenten Stimmen der Gegenwartsmusik, die sich jeder schnellen Kategorisierung entziehen – Pianistin, Komponistin, Klangarchitektin, und doch vor allem eine Beobachterin des Zwischenraums. Entsprechend folgerichtig auch der Titel ihres neuen Albums Otonoma. Der Titel spielt auf das japanische „oto“ für Klang und „ma“ für Zwischenraum/Abstand an; sinngemäß also „der Raum zwischen den Klängen“ oder auch „ein Raum aus Klängen“. Das Ergebnis ist Musik von seltener Klarheit, in der sich akustisches Klavier, elektronische Schwebungen und fein vibrierende Texturen ästhetisch verschmelzen, um allmählich eine harmonische, strukturelle Einheit zu bilden. Gerade darin liegt der Reiz: Hirano verwechselt Reduktion nie mit Verarmung, sondern gewinnt aus dem Zurückgenommenen jene Spannung, die sonst eher in gut gebauten Sätzen Verwendung findet, als in atmosphärischen Klanglandschaften. Otonoma wirkt wie ein stilles Plädoyer für Aufmerksamkeit, für das Hören als geistige Disziplin sowie ästhetisches Vergnügen.

Read Next...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert