Anthony Rother – Exit Utopia

Anthony Rother – Exit Utopia

Der Frankfurter Musiker und Produzent Anthony Rother gilt seit den späten 1990er-Jahren als einer der prägendsten Architekten des deutschsprachigen Electro, dessen Klangwelt aus kühlen Maschinenrhythmen, dystopischen Erzählungen sowie einer eigentümlich nüchternen Poesie besteht. Mit Exit Utopia veröffentlichte er nun Ende des letzten Jahres ein Album, das wie ein Protokoll eines Jahres wirkt, in dem die Grenzen zwischen digitaler Überreizung und innerem Rückzug endgültig verschwimmen. Rother arbeitet dabei mit präziser, oft trocken gemischten Drum Patterns, druckvollen, sequenzierten Basslinien und synthetischen Chören, die weniger Wärme spenden, als vielmehr das Gefühl eines funktionalen, technoiden Kosmos erzeugen. Zwischen Vocoder-Stimmen, die wie entmenschlichte Boten aus einer nahen Zukunft wirken, und melodischen Fragmenten, die immer wieder anheben, aber selten in pathetische Höhepunkte kippen, entsteht eine Atmosphäre der kontrollierten Anspannung. Exit Utopia klingt wie der Soundtrack zu einer Gesellschaft, die ihre Visionen längst an Algorithmen delegiert hat und nun versucht, in der Kälte der Systeme so etwas wie Intimität zu behaupten. Gerade darin liegt die Faszination des Albums. Es ist zugleich Tanzfläche und Denkraum, Clubnacht und klinisches Essay über den Zustand des Menschlichen im Zeitalter der Maschinen.

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