Malcolm Pardon – Flesh and Bones

Malcolm Pardon – Flesh and Bones

Mit Flesh and Bones legt der in Stockholm lebende Künstler Malcolm Pardon ein Album vor, das sich jeder unmittelbaren Vereinnahmung entzieht – ein Werk von eigentümlicher Obskurität und zugleich unterschwelliger Spannung. Sein Ursprung liegt in einer mehrstündigen Performance im Uppsalaer Kulturzentrum Köttinspektionen, wo Pardon im Rahmen einer Ausstellung von Gustaf Broms visuelle Darbietungen improvisatorisch begleitete. Ausgerechnet die am letzten Ausstellungstag entstandenen Klangfragmente verdichten sich im Nachgang zu einer kohärenten, beinahe rituell anmutenden Kompositionssuite. Musikalisch entfaltet sich Flesh and Bones in einem bewusst entschleunigten Zeitmaß. Die Stücke scheinen weniger voranzuschreiten als vielmehr zu kreisen. Repetitive Motive, fragile Drones und sparsam gesetzte melodische Linien erzeugen eine Atmosphäre latenter Unruhe. Pardon arbeitet mit klanglichen Zwischenräumen, lässt Töne ausfransen und verhallen, sodass Stille selbst zum kompositorischen Element wird. Die reduzierte Instrumentierung – häufig dominiert von gedehnten Synthesizerflächen, subtilen perkussiven Impulsen und gelegentlich verfremdeten akustischen Klangquellen – evoziert eine dunkle, fast sakrale Romantik. Gerade in dieser Spannung zwischen Improvisation und nachträglicher Formgebung liegt die eigentliche Qualität des Albums. Es bewahrt die Flüchtigkeit seines performativen Ursprungs, ohne sich im Ungefähren zu verlieren. Stattdessen entsteht ein Klangraum, der gleichermaßen intim wie entrückt wirkt – als lausche man einem Echo, das nicht aus der Vergangenheit, sondern aus einem schwer greifbaren Inneren zu kommen scheint.

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