Set zum Freitag #438 – Hüma Utku

Set zum Freitag #438 – Hüma Utku
Bild: © Landiva Weber

Im Rahmen einer Mercurial Cycles Episode für Refuge Worldwide hat die aus Istanbul stammende und in Berlin lebende Komponistin und Klangkünstlerin Hüma Utku einen verträumten wie unbehaglichen Mix kreiert. Mit einer sensiblen, vorsätzlich grenzüberschreitenden Kuration, die sich weder an Genrelogiken noch an konventionelle Dramaturgien bindet, entfaltet Utku dichte, atmosphärische Klangräume, in die es sich restlos verlieren lässt. Der Mix kreiert dabei fragile, nahezu körperlich spürbare Zustände zwischen Intimität und Unbehagen, in denen sich das Hören zu einer beinahe halluzinatorischen Erfahrung verdichtet. Neben ihrer Laufbahn als Musikerin hat Hüma Utku das Studium der Psychologie absolviert, dessen Einflüsse sie in ihre Werke bewusst einfließen lässt. Immer wieder durchziehen Fragen nach Wahrnehmung, Bewusstsein und emotionaler Resonanz ihre Arbeiten und verleihen ihnen eine konzeptuelle Tiefe, die über das rein Klangliche hinausweist.

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Sam Slater – Lunng

Sam Slater – Lunng

Der britische Klangkünstler, Komponist und Toningenieur Sam Slater hat mit Lunng ein cineastisches sowie intensives Album veröffentlicht. Es ist ein Werk, das weniger als Sammlung einzelner Stücke denn als durchkomponierte Klangarchitektur zu begreifen ist, in der sich akustische Fragmente, elektronische Texturen sowie Field Recordings zu einem dichten Gewebe verschränken. Slater, der zuvor unter anderem durch seine Arbeiten für Film und immersive Audioformate auffiel, operiert hier mit einer bemerkenswerten Präzision zwischen Kontrolle und kalkulierter Auflösung. Die Stücke entfalten eine eigentümliche Spannung, die sich aus der Reibung von organischer Unmittelbarkeit und technischer Kühle speist. Dabei bleibt Lunng stets von einer fast körperlich erfahrbaren Intensität durchzogen, die die Hörerinnen und Hörer weniger begleitet als vielmehr umschließt. Das Resultat ist gleichermaßen kompromisslos wie faszinierend.

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Set zum Freitag #437 – Natascha Kann

Set zum Freitag #437 – Natascha Kann
Bild: © Evie Shaffer

Mittels eines präzisen kuratierten Sets entwirft Natascha Kann für Bassiani eine ebenso subtile wie fesselnde Klangdramaturgie, die versiert zwischen House, Minimal und Techno oszilliert. Getragen von einem feinfühligen Gespür für Groove und Atmosphäre verdichtet sich der Mix zu einem beinahe tranceartigen Sog. Ein Set, das den Übergang ins Wochenende nicht nur begleitet, sondern ihn regelrecht zelebriert.

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Malcolm Pardon – Flesh and Bones

Malcolm Pardon – Flesh and Bones

Mit Flesh and Bones legt der in Stockholm lebende Künstler Malcolm Pardon ein Album vor, das sich jeder unmittelbaren Vereinnahmung entzieht – ein Werk von eigentümlicher Obskurität und zugleich unterschwelliger Spannung. Sein Ursprung liegt in einer mehrstündigen Performance im Uppsalaer Kulturzentrum Köttinspektionen, wo Pardon im Rahmen einer Ausstellung von Gustaf Broms visuelle Darbietungen improvisatorisch begleitete. Ausgerechnet die am letzten Ausstellungstag entstandenen Klangfragmente verdichten sich im Nachgang zu einer kohärenten, beinahe rituell anmutenden Kompositionssuite. Musikalisch entfaltet sich Flesh and Bones in einem bewusst entschleunigten Zeitmaß. Die Stücke scheinen weniger voranzuschreiten als vielmehr zu kreisen. Repetitive Motive, fragile Drones und sparsam gesetzte melodische Linien erzeugen eine Atmosphäre latenter Unruhe. Pardon arbeitet mit klanglichen Zwischenräumen, lässt Töne ausfransen und verhallen, sodass Stille selbst zum kompositorischen Element wird. Die reduzierte Instrumentierung – häufig dominiert von gedehnten Synthesizerflächen, subtilen perkussiven Impulsen und gelegentlich verfremdeten akustischen Klangquellen – evoziert eine dunkle, fast sakrale Romantik. Gerade in dieser Spannung zwischen Improvisation und nachträglicher Formgebung liegt die eigentliche Qualität des Albums. Es bewahrt die Flüchtigkeit seines performativen Ursprungs, ohne sich im Ungefähren zu verlieren. Stattdessen entsteht ein Klangraum, der gleichermaßen intim wie entrückt wirkt – als lausche man einem Echo, das nicht aus der Vergangenheit, sondern aus einem schwer greifbaren Inneren zu kommen scheint.

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Set zum Freitag #436 – Extase Urbaine

Set zum Freitag #436 – Extase Urbaine
Bild: © Nur Yilmaz

Der aktuell in Athen lebende Künstler Extase Urbaine hat für The Brvtalist einen einstündigen Mix geschaffen, der mühelos Genregrenzen verschmelzen lässt. Von Techno über Electro und EBM bis hin zu abstrakten Klangexperimenten entsteht ein dichtes Geflecht aus Rhythmus und Reflexion. Das Resultat ist eine Klangästhetik, die es vermag zwischen treibender Körperlichkeit und analytischer Präzision zu balancieren.

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Zakè – Low Harmonics

Zakè – Low Harmonics

Mit Low Harmonics legt Zakè sein zweites Soloalbum vor. Ausgehend von tieffrequenten Elementen sowie sanft schimmernden Klangflächen erwächst eine Atmosphäre von eigentümlicher Ambivalenz –schwebend zwischen berückender Intimität und grenzenloser Weite. Dabei entsteht eine Musik, die Geduld verlangt und gerade darin ihre eindringliche Kraft entfaltet. Zakè verzichtet konsequent auf vordergründige Dramaturgie und setzt stattdessen auf minimale Verschiebungen und subtile Verdichtungen. Auf diese Weise entsteht ein Hörerlebnis, das weniger auf unmittelbare Wirkung als auf nachhaltige Resonanz zielt.

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Set zum Freitag #435 – Notte Infinita

Set zum Freitag #435 – Notte Infinita
Bild: © Robert Clark

Der in Berlin lebende DJ und Produzent Notte Infinita steuert zur Deep Breakfast Series einen einstündigen Mix bei, der von kontemplativer Leichtigkeit und träumerischer Tiefe getragen wird. Aus fein gewobenen, atmosphärischen Klangflächen entsteht ein Werk zwischen Schlaf und Erwachen – ein schwebender Übergang vom nächtlichen Dämmern ins erste Licht des Frühlings. Notte Infinita gelingt damit eine subtile Reflexion über Zeit, Übergang und das fragile Gleichgewicht zwischen Tag und Nacht.

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