Marco Ragni und Sandra Mason haben auf dem Perpendicular Festival ein fabelhaftes Set gespielt, das einen zutiefst cineastischen wie immersiven Charakter aufweist. Ausgehend von obskuren Klangräumen, minimalistischen Motiven, tieffrequentierten Passsagen sowie nuanciert integrierten Zitaten und Sprachfetzen entsteht ein unkonventionelles, gleichsam fesselndes Hörerlebnis. Wem nach einer kleinen Flucht aus dem Alltag ist, macht mit dem Set alles richtig.
Mit Post Dub Cities veröffentlicht der italienische Klangkünstler und Fotograf Adriano Zanni ein Werk, das sich klanglich und visuell dem Phänomen verlassener Orte widmet. Charakteristisch für Zannis Arbeitsweise sind die musikalischen Kompositionen dabei untrennbar mit einem begleitenden Fotoband verwoben, dessen monochrome, brutalistische Ästhetik verlassene, menschenleere urbane Architekturen als stumme Zeugen einer vergangenen Zivilisation inszeniert. Musikalisch übersetzt Zanni diese Leere in ein minimalistisches, cineastisches Vokabular, das von tieffrequenten Elementen, metallischem Klirren sowie verfremdeten Echos getragen wird. Es ist das faszinierende Zusammenspiel aus rauen Field Recordings und feinsinnigem Sounddesign, welches eine postapokalyptische Melancholie entfaltet. So entsteht eine abgründige Klangwelt, die die Hörerinnen und Hörer in eine topografische Einsamkeit entlässt, die gleichermaßen beklemmend klaustrophobisch wie schwindelerregend weit wirkt.
Der belgische DJ und Produzent Raär hat für The Lot Radio einen einstündigen Mix gespielt, dessen suggestivem Sog es sich kaum entziehen lässt. Ausgehend von komplexen Rhythmen, atmosphärischen Passagen sowie einer dichten Dramaturgie vermag es Raär die Zuhörerinnen und Zuhörer allmählich in tiefe, mitunter mystische Klangwelten zu entführen. Das Resultat ist ein feinfühliges Wechselspiel von treibender Intensität und vereinnahmender Intimität.
Mit Analog Fragments II wird nun die als zweiteiliges Gesamtwerk konzipierte Analog Fragments Reihe als in sich geschlossenes künstlerisches Statement komplementiert. Wie bereits beim ersten Teil dieser von InDepth initiierten Serie tragen UFO95, Hadone, Raär, Clara D und Initial Code jeweils einen Track zu der Compilation bei. Ausgangpunkt der Klänge sind die niederländischen Willem Twee Studios mit ihren historischen, analogen Instrumenten, Impulsgeneratoren und Filtern, die gemeinsam als vernetzter Synthesizer fungieren. In den fünf Werken offenbart sich eine fließende, nicht selten leicht dystopische Klanglandschaft aus Ambient, Techno und Elektroakustik, die auch von der analogen, mitunter unterschwelligen dissonanten Wärme sowie der Unvorhersehbarkeit der Apparate lebt.
Das aus Brooklyn stammende Duo Irina Kotik und Gilles Wasserman, gemeinsam auch unter dem Projektnamen Moon Patrol bekannt, haben für Embodiment einen eineinhalb stündigen Mix kreiert, der uns eine tiefe wie obskure Klangwelt eintauchen lässt. Ohne Rücksicht auf Konventionen lassen Irina Kotik und Gilles Wasserman auf äußerst einfühlsame Weise elektronische, experimentelle Klänge intuitiv miteinander verschmelzen. Was dabei entsteht, ist ein dramaturgisch nuanciertes Hörerlebnis, das unmerklich eine unerbittliche, intensive Wirkung entfaltet.
Mit Opening offenbart Klara Lewis einmal mehr ihre unverwechselbare Begabung, Klänge gänzlich zu deformieren und dabei gleichwohl erkennbare, liedhafte Strukturen zu bewahren. Es handelt sich bei dem Album um ein illusionäres Werk voller akustischer Phantasmen, mit verschleierten Melodien und versteckten, suggestiven Momenten. Ihre Musik bewegt sich auf ungewöhnliche und nicht selten überraschende Weise. Akustische Instrumente wie Ukulele und Klavier durchlaufen Prozesse der Dekonstruktion und Rekonstruktion, wobei ihre ursprünglichen Formen stetig moduliert und neu gestaltet werden. Klänge verschieben sich, lösen sich auf und tauchen in veränderter Form wieder auf – ein Erlebnis, das zugleich intim und irritierend wirkt. Was zunächst fremdartig erscheint, kann im Verlauf des Stücks in überraschende Zärtlichkeit umschlagen – oder umgekehrt. Ein Album, das sich letztlich jeder Form von Monotonie entzieht.
Joachim Spieth hat für Held By Earth einen cineastischen wie immersiven Mix kreiert. Ausgehend von tiefgründigen Texturen und Frequenzen, feinfühligen Klangfarben sowie subtilen rhythmischen Strukturen, entfaltet sich ein transzendenter Klangkosmos, der die Hörerinnen und Hörer mit sanfter Unausweichlichkeit allmählich vollends umschließt. Es ist das versierte Wechselspiel aus kontemplativer Stille sowie kontinuierlicher Dynamik, durch welches diese akustische Architektur ihre suggestive Wirkung gewinnt. Das Resultat ist ein feinsinniges wie filigranes Hörerlebnis, dem es sich kaum entziehen lässt.