
Mit Lila legt der marokkanische Produzent Karim ein Debüt vor, das sich bewusst in die lange Geschichte transkultureller Klangverhandlungen einschreibt. Die neun Stücke speisen sich aus der rhythmischen Matrix der Gnawa Musik, jener religiös grundierten Praxis, die auf die gewaltsam nach Marokko verschleppten westafrikanischen Gemeinschaften zurückgeht. In der Lila, der namensgebenden nächtlichen Zeremonie, verdichten sich Musik, Ritual und Heilversprechen zu einem tranceinduzierten Kontinuum. Karim übersetzt diese Struktur nicht in bloße Referenz, sondern in eine eigenständige, körperlich insistierende Klangsprache. So entsteht ein Techno ohne Drumcomputer, stattdessen getragen von klappernden Qarqabas, pulsierenden Basslinien und einem insistierenden Perkussionsgeflecht, das traditionelle Praxis und zeitgenössische Clubästhetik in ein faszinierendes Verhältnis setzt.





