Über einen Studiobesuch des FACT Magazines bin ich auf das schwedische Pop-Duo Flora gestoßen. Jonas Rönnberg, auch bekannt als Varg, und die Sängerin AnnaMelina produzieren zusammen einen verträumten, melancholischen Sound, der sich fabelhaft in die Playlist eines verkaterten Herbstsonntags einfügt.
Afropunk steht für eine globale, multikulturelle, progressive, freie und kreative Gesellschaft. Diese Werte kommen nicht nur in den Publikationen zum Vorschein, sondern sollen auch im Rahmen der selbst organisierten Feste gelebt werden. Anlässlich ihres Festes in Johannesburg, veröffentlichte Afropunk einen Mix im Zeichen des Widerstandes gegen die Kräfte, die kein Interesse an einer globalen, multikulturellen, progressiven, freien und kreativen Gesellschaft haben. Zu hören in dem Mix sind unter anderem Moonchild Sanelly, Faka, Public Enemy und Flying Lotus.
Die Filmemacher Jennifer Washington und Kristian Hill arbeiteten die letzten sieben Jahre an einer Dokumentation über die Anfänge des Technos im Detroit der 1970er Jahre. Der Film God Said Give ’Em Drum Machines: The Story of Detroit Techno legt den Fokus auf die afroamerikanische Community, aus deren Mitte der neue, futuristische Sound hervorgegangen ist und erst den Untergrund und später die gesamte elektronische Musikszene prägen sollte. Die dunkle Seite der Musikindustrie wird dabei nicht ausgeblendet. Trotz der großen kulturellen Verdienste, sind viele der musikalischen Pioniere leer ausgegangen und haben weder die künstlerische noch die finanzielle Anerkennung erfahren, die ihnen zustehen würde. Der Film begleitet bedeutende Wegbereiter des Technos wie Juan Atkins, Kevin Saunderson, Derrick May, Eddie Fowlkes, Blake Baxter, und Santonio Echols. Die Arbeit von Jennifer Washington und Kristian Hill kann heute noch im Rahmen einer Kickstarter-Kampagne unterstützt werden.
Technosphärenklänge #6: Alia: Zǔ tài – Marco Donnarumma
Am kommenden Wochenende, dem 23. und 24. November, finden die sechsten Technosphärenklänge im Haus der Kulturen der Welt statt. Wie schon bei den vorherigen Technosphärenklängen erwartet die Besucher ein vielfältiges Programm aus Musik, Performances, Vorträgen und Gesprächen, die die zunehmenden Verflechtungen von menschlicher Kultur, natürlichen Umwelten und global wirksamer Technologien reflektieren. Technosphärenklänge #6 hat zum Ziel, diese neuen Realitäten zu beleuchten, um sich der Schnittstelle zwischen Menschen und Maschine anzunähern. So schafft etwa die Performance Alia: Zǔ tài von Marco Donnarumma und Nunu Kong, die am Freitag Weltpremiere feiern wird, eine hybride Verkörperung der Tänzerinnen, indem diese mit künstlich intelligenten Prothesen interagieren und somit die Grenzen der Biologie hinterfragen. Schon für seine Performance Eingeweide trug Marco Donnarumma eine robotische KI-Prothese, die ein eigenständiges Verhalten und Empfindungsvermögen gegenüber ihrem Träger sowie Umgebungsreizen wie Licht und Klang entfaltete.
Musikalisch begleiten Mouse on Mars und deren Dimensional People Ensemble sowie eine Reihe an weiteren Gästen, zu denen unter anderem Moritz Simon Geist zählt, der letzte Woche das erste allein von Robotern gespielte Album veröffentlichte, die sechsten Technosphärenklänge. Einen Eindruck der eigenwilligen und fordernden Musik, die Mouse on Mars gemeinsam mit dem Dimensional People Ensemble und Gästen auf der Bühne kreieren, vermittelt ein Konzertmitschnitt aus dem großen Saal der Elbphilharmonie, in welchem sie im August aufgetreten sind.
In der ersten Single One Job aus ihrem kommenden Debütalbum Tea Turns to Wine verschafft sich die in Los Angeles lebende Musikerin TeaMarrr Luft. Zu treibenden Beats und poppigen Bildern des Schauspielers und Regisseurs James Bland stellt TeaMarrr unverblümt fest: Hell hath no fury like a woman scorned.
„Dry your eyes, the fuck you cryin’ for? Where’s your spine? You ain’t got that no more? The dick is fire. That’s what I signed up for, but after all this time you’re so damn insecure. You only had one job nigga. Da fuck?!?“
Der belgische DJ und Produzent Sébastien V hat für das Kaltblut Magazine ein hypnotisierendes Set aufgenommen, mit dem es sich gedankenverloren ins Wochenende eintauchen lässt.
Wie bereits einmal erwähnt, habe ich, seitdem ich vor Andreas Gurskys großformatiger Aufnahme Paris-Montparnasse (1993, 180 x 350 cm) stand, ein Faible für Fassaden. Der anonyme Wohnblock im Pariser Quartier de Montparnasse schafft im ersten Moment ein Gefühl von Distanz und Isolation, die modernen Metropolregionen zuweilen zu eigen ist. Bei näherer Betrachtung jedoch sind Personen, Mobiliare und Handlungen hinter den Fensterscheiben zu erkennen, so dass das zunächst sterile Foto an Lebendigkeit gewinnt. Hinter jedem der Fenster lauert eine eigene Biographie, mit all den Facetten die ein Leben zu bieten hat. Diese Erkenntnis steckt auch in Thibaud Poiriers Fotografien aus der Serie Residensity. Zeigen die Bilder zunächst eine leblose, ornamentale Struktur, verbirgt sich hinter der Fassade doch das Leben.